Geschichte

Der Beginn | 1982 – 1989

Es ist im September des Jahres 1982, als sich einige Angehörige der Pfarre St. Johannes Kapistran bei Pastoralassistentin Maria Putz einfinden. Alle wollen nur eines – Theater spielen. Bei der ersten Besprechung wird beschlossen, ein Stück auszusuchen und einen Ort für die Aufführung zu finden. Maria erklärt sich bereit, Textbücher zu besorgen.
Bei der ersten Probe am 29. Oktober 1982 wird das Stück nur gelesen. Die Rollen werden auf gut Glück verteilt. Karin Gamsjäger bemüht sich, jemanden für die Regie zu organisieren. Erich Holzer wird schließlich dafür gewonnen.
Die ersten Proben laufen an, finden aber nicht regelmäßig statt. Ein Spieltermin wird nicht fixiert, vorraussichtliche Termin hinausgeschoben. Immer wieder fällt die einzige Probe in der Woche aus verschiedensten Gründen aus. Im März 1983 kommt es zu einer großen Unterbrechung der Probenarbeit.
In dieser Pause gibt es mehrere Besprechungen von Erich Holzer, Beate Länger (zu diesem Zeitpunkt Herzberger), Reinhard Länger und Heinrich Leb über Bühnengröße, Bühnenbau und Kulissen.
Erst im September 1983 erfolgt ein neuer Anlauf. Die Proben enden immer wieder im damaligen Café Süd, wobei Mut und Optimismus immer mehr sinken. Erst als Karin Gamsjäger Kulissen bei der Firma Kika organisiert, wird beschlossen einen Termin festzusetzen und diesen auch gleich im Pfarrblatt zu verlautbaren.
Um bekannt zu werden, spielt die Theatergruppe zunächst einige Szenen des Stückes beim Kapistranabend, was ein voller Erfolg ist. Ab da gibt es kein Zurück mehr, die Zahl der wöchentlichen Proben wird erhöht. Dabei wird auch bereits eine Videokamera verwendet. Einladungen und Plakate für das Stück „Mit Küchenbenutzung“ entstehen und werden verschickt bzw. verteilt. Helfer*innen aus der Pfarre bauen aus dem herbeigeschafften Rohmaterial großartige Kulissen und plötzlich steht die Bühne. Alle bringen alte Einrichtungsgegenstände mit und die Darsteller*innen können in einer richtigen Küche spielen.
Am 18. Februar 1984 ist Premiere und die Kapistranbühne hat sowohl an diesem Abend als auch am darauffolgenden Sonntag ein volles Haus. Ebenso erfolgreich verlaufen die Tourneevorstellungen am 24. Februar 1984 in Viehofen und am 25. Februar 1984 in Spratzern.
Die Theatergruppe ist geboren. Engelbert Neulinger, Karin Gamsjäger, Beate Länger (zu diesem Zeitpunkt Herzberger), Elisabeth Gruber, Karl Gruber, Heinrich Leb, Susanne Winkler (zu diesem Zeitpunkt Ruzizka), Irmgard Blauensteiner, Reinhard Länger, Friederike Engel und Erich Holzer geben bereits mit dem ersten Stück ein kräftiges Lebenszeichen von sich.

Im Frühjahr 1984 schreibt Heinrich Leb diverse Verlag an, um Ansichtsexemplare von Textbüchern verschiedener Stücke anzufordern und verteilt diese an einige Mitspieler*innen zum Lesen. Bei einem Treffen bei Beate und Reinhard Länger wird nach Durchsicht aller Stücke beschlossen, als nächstes „Der Meisterboxer“ zu spielen. Im September 1984, nach Erhalt der Rollenbücher, werden die Rollen verteilt. Nachdem Susanne Winkler (zu diesem Zeitpunkt Ruzizka) und Beate Länger ausfallen und eine weitere Rolle zu besetzen ist, stoßen Christian Graf, Ilse Bamberger und Marianne Brunnbauer zur Theatergruppe.
Nachdem am 5. Oktober 1984 die Proben wie geplant anlaufen, muss Engelbert Neulinger ins Spital. Glücklicherweise ist er bald wieder einsatzfähig und die Proben können weitergehen. Ende Oktober holen sich die Mitspieler*innen Anregungen beim Besuch einer Aufführung des geplanten Stückes „Der Meisterboxer“ in den Kammerspielen in Wien. Erst verunsichert das bei den Proben, aber schon bald finden wieder alle in die eigene Rolle. Nach einer Probe mit Videoaufnahme, die ziemlich daneben geht, wird eine Krisensitzung einberufen und ab dieser zunächst zweimal und später auch öfter pro Woche geprobt. Während bereits Kulissen gebaut, Plakate und Einladungen vervielfältigt und verteilt werden, sitzt der Text immer noch nicht.
Von der Firma Egger werden Spanplatten geliefert, Engelbert Neulinger besorgt Staffeln und bei der Firma Reinberg werden Türen bezogen. Auf dieser Basis werden beliebig vertauschbare und vor allem stabile Kulissenelemente gebaut. Die Firma Rendl und die Firma Speiser stellen leihweise verschiedene Einrichtungsgegenstände zur Verfügung und zuletzt wird über Vermittlung von Engelbert noch ein maßgeschneiderter Vorhang beschafft.
Bis zur vorletzten Probe gibt es noch immer Texthänger. Böse Zungen behaupten, dass einigen das Bühnenbild wichtiger sei, als das Stück.
Bei der Premiere am 2. März 1985 und bei den folgenden Aufführungen am 3., 9. und  10. März 1985 konnten insgesamt ca. 1.200 Besucher*innen begrüßt werden. Das Stück wird ein voller Erfolg.

Im September 1985 werden wieder alle Mitspieler*innen mit Textbüchern beliefert. Es wird bei einem Treffen bei Heinrich Leb beschlossen das Stück „Alles steht Kopf“ zu spielen. Neu zur Theatergruppe kommen Maria Neulinger und Franziska Wagner als Souffleuse. Voller Elan beginnen die Proben, doch wie jedes Jahr schwindet dieser wieder, fast immer ist irgendjemand krank. Die allzu nahen Aufführungstermine zwingen aber zu intensiver Weiterarbeit. In der letzten Woche vor der Premiere erkrankt schließlich eine Mitspielerin und erst am Mittwoch kann endlich das ganze Stück durchgeprobt werden. Die Stimmung nach der Generalprobe ist am Tiefpunkt angelangt, aber die Premiere am 8. Februar 1986 ist wieder ein Erfolg fast ohne befürchteter Hänger und Pannen.

Im Jahr 1987 kommt Linde Schwaigerlehner (zu diesem Zeitpunkt Zierlich) zur Theatergruppe. Gespielt wird das Stück „Wirbel im Paradies“.

Einen neuerlichen Wechsel bei den Mitspieler*innen gibt es beim Stück „EWG – Einmal wird geheiratet“ im Jahr 1988. Erstmalig spielen Leopold Ott und Wilhelm Schwaigerlehner, Linde Schwaigerlehner souffliert.

1989 beim Stück „Strohwitwer auf Abwegen“ steht Helga Neulinger zum ersten Mal auf der Bühne. Eleonore Leb nimmt erstmals im Soufflierkasten Platz.

Der Erfolg geht weiter | 1990 – 1999

Ein großer Erfolg wird auch das Stück „Tratsch im Treppenhaus“ im Jahr 1990, in dem Karin Gamsjäger die böhmakelnde Ernestine Zitzelsberger gibt. Bekannt ist dieses Stück vor allem in der Fassung des Ohnsorg-Theaters mit Heidi Kabel in der Hauptrolle.

Beim Stück „Drei tolle Väter“ im Jahr 1991 spielen erstmals Karl Prisching, Annemarie Svejcar, Ulrike Kubanek (zu diesem Zeitpunkt Hoffmann), Thomas Backnecht und Gabriele Backnecht (zu diesem Zeitpunkt Weber).

1992 steht „Möglich ist alles“ am Programm. Damit geht auch eine Ära zu Ende. Es ist das letzte Stück, das im Kirchensaal aufgeführt wird. Nachdem Maria Neulinger bei den letzten 3 Stücken pausiert hat, kehrt sie in diesem Stück wieder auf die Bühne zurück.

1994 beim Stück „Schuld an allem ist die Mona Lisa“ kommt Gerhard Hofbauer dazu. Dieses Stück gelangt bereits im neu erbauten Pfarrzentrum zur Aufführung.

Beim Stück „Der doppelte Moritz“ im Jahr 1996, in dem Engelbert Neulinger eine Doppelrolle spielt, stößt Christine Trimmel zur Gruppe. Nach 7 Jahren steht auch Beate Länger wieder auf der Bühne.

Mehrere neue Mitspieler*innen – Nadja Trimmel, Miriam Günther (zu diesem Zeitpunkt Krickl) und Barbara Emsenhuber (zu diesem Zeitpunkt Länger) – gibt es im Jahr 1998 beim Stück „Mord am Hauptplatz“, bei dem erstmalig Karl Prisching die Hauptrolle, einen Sandler, spielt. Nach 6 Jahren kehrt Irmgard Blauensteiner auf die Bühne zurück.

Bernhard Pöckl kommt im Jahr 1999 zur Gruppe. Gespielt wird „Der Wahlkrampf“. Engelbert Neulinger ist zum zweiten Mal in einer Doppelrolle zu sehen. Erstmals souffliert Helga Neulinger.

Ein neues Jahrtausend | 2000 – 2009

Beim Stück „Lustiges Bezirksgericht“ im Jahr 2001 spielt erstmalig Manuela König mit. Nach 5 Jahren Pause kehrt Reinhard Länger zurück auf die Bühne und Beate Länger nimmt zum zweiten Mal nach 1985 im Souffleurkasten Platz.

2003 steht das Stück „Loch in der Wand“ am Programm. Zum dritten Mal wird ein Stück mit mehreren Bühnenbildern gespielt, jedoch zum ersten Mal in dieser Form im Pfarrzentrum. Der Kirchensaal bot genügend Platz für die Lagerung von Kulissenteilen, Möbel und Requisiten, im Pfarrzentrum ist der Kulissenwechsel eine kleine Herausforderung, weil der Platz hinter der Bühne sehr begrenzt ist.

Im Jahr 2004 feiert die Kapistranbühne das 20-jährige Bühnenjubiläum mit dem Stück „Eine Tante kommt selten allein“. Neu dabei ist Helga Molterer. Helga Neulinger kehrt nach 6 Jahren zurück auf die Bühne.

Im Jahr 2005 wird auf Wunsch von Engelbert Neulinger erneut „Der Meisterboxer“ aufgeführt. Bereits 1985 wurde das Stück mit großem Erfolg gespielt. Und auch diesmal verkörpert Engelbert die Hauptrolle meisterhaft.

Im Jahr 2006 steht „Katzenzungen“ – ein Klassiker der Wiener Kammerspiele, damals mit Elfriede Ott in der Hauptrolle – am Programm. Nadja Trimmel spielt die Hauptrolle der Stupsi. Neu zur Theatergruppe kommt Birgit Hnilicka. Irmgard Blauensteiner kommt nach 8 Jahren in einer Komparsenrolle zurück.

In den darauffolgenden Jahren legt die Gruppe eine Pause ein, in der viel über die zukünftige Stückauswahl und das Nachwuchsproblem diskutiert wird.

Beim Stück „Bubblegum und Brillanten“ im Jahr 2009 verstärken Verena Haiderer (zu diesem Zeitpunkt Müllner), Kathi Wollersberger und Karl-Martin Gruber die Gruppe. Zum ersten Mal gibt es eine Doppelregie durch Karin Gamsjäger und Erich Holzer.
Aufgrund der großen Beliebtheit der Kapistranbühne gibt es mittlerweile 9 Vorstellungen an 3 Wochenenden.

Neues probieren | 2010 – 2019

Andreas Wegscheider kommt beim Stück „Meine Leiche, deine Leiche“ im Jahr 2011 zur Theatergruppe. Nachdem sich Erich Holzer  in den letzten Jahren ausschließlich auf die Regiearbeit konzentriert hat, steht er diesmal auch wieder auf der Bühne.

Beim Stück „Tanz der Mäuse“ im Jahr 2012 sind Klaus Vogelauer und Alexa Schöberl neu dabei. Karin Gamsjäger tauscht in diesem Jahr das Scheinwerferlicht gegen den Regiesessel.
Bei 9 Vorstellungen mit 1.500 Besucher*innen sind insgesamt 88 Mitarbeiter*innen vor und hinter der Bühne beteiligt.

Im Jahr 2013 kann die Profischauspielerin Veronika Polly aus unserer Pfarre für das Stück „Dem Himmel sei Dank“ als Regisseurin gewonnen werden. Für die Laiendarsteller*innen ist die Arbeit mit ihr als Profi eine völlig neue Erfahrung. So weist sie auf Fehler in der Vergangenheit hin und gibt viele wertvolle Tipps. Unterstützt wird sie dabei von Marion Amberger.
Als Schauspielerin neu dabei ist Uschi Urbanek.

Wegen des Kirchenumbaus muss die Gruppe in den Folgejahren pausieren. Die Pause wird auch genutzt, um über die Zukunft der Kapistranbühne zu sprechen.

Am 1. September 2016 wird unsere Pfarre St. Johannes Kapistran mit der Pfarre Spratzern zum Pfarrverband St. Pölten Süd zusammengeschlossen.

Nach diversen Entscheidungsschwierigkeiten und verworfenen Plänen zu einem musikalischen Sketchabend soll doch wieder ein Theaterstück am Programm stehen. Im Oktober 2016 beginnen die Proben zu „Otello darf nicht platzen“. Die Verwechslungskomödie ist 19 Jahre lang erfolgreich an den Wiener Kammerspielen – u.a. mit Otto Schenk – gelaufen. Erneut ist Veronika Polly als Regisseurin mit an Board.
Der anfängliche Elan schwindet jedoch rasch. Das Stück ist herausfordernder als zunächst angenommen, der Probenaufwand enorm. Es steht im Raum, den geplanten Aufführungstermin im Februar 2017 zu verschieben. Nach unzähligen Diskussion einigt man sich auf einen neuen Spieltermin und das Stück wird um ein halbes Jahr verschoben. Da nun wieder etwas Luft gewonnen wurde, können die geplanten Proben über die Weihnachtsfeiertage ausfallen. Nach den Weihnachtsferien laufen die Proben wieder an. Doch die Begeisterung will sich nicht wieder einstellen und die Stimmung ist am Tiefpunkt. Nachdem einige Mitspieler*innen ankündigen, gar nicht mehr spielen zu wollen, wird beschlossen, das Stück fallen zu lassen und den Aufführungstermin abzusagen.

Im Frühjahr 2017 begeben sich Nadja Trimmel und Bernhard Pöckl auf die Suche nach neuen Stücken, sowie neuen Mitspieler*innen. Erst nachdem Plakate und Handzettel im Pfarrgebiet verteilt, ein Artikel im Pfarrblatt verfasst und Aufrufe über Facebook gemacht wurden, können neue Mitspieler*innen gewonnen werden. Im Herbst 2017 beginnen die ersten Leseproben. Allerdings fallen erneut Mitspieler*innen aus und erst im Oktober 2018 kann das Stück „Boeing Boeing“ auf die Bühne gebracht werden. Neu dabei sind Sarah Heindl, Johanna Hietz und Michael Höchtl, sowie Ingrid Müller als Souffleuse. Am zweiten Wochenende wird Ingrid von Christine Trimmel vertreten, die somit zum ersten Mal im Soufflierkasten Platz nimmt.

Im November 2018 wird die Kapistranbühne Mitglied bei ATiNÖ, dem Landesverband für außerberufliches Theater in Niederösterreich.

Im August 2019 muss sich die Kapistranbühne von ihrem „lieben Chef“ Heinrich Leb verabschieden. Das bedeutet für die Theatergruppe einen tiefen Einschnitt. Neben seiner Verantwortung für Gesamtorganisation, Bühnenbau und Technik, stand er auch in unzähligen tollen Rollen auf der Bühne und nahm das eine oder andere Mal auch im Soufflierkasten Platz.

Im Herbst 2019 werden neue Stücke gesucht, als Aufführungstermin wird Oktober 2020 festgelegt. 2 Stücke kommen in die engere Auswahl. Die Suche nach neuen Mitspieler*innen gestaltet sich allerdings herausfordernd.

Brandneu | Ab 2020

Das Jahr 2020 bedeutet auch für die Kapistranbühne eine Pause.

Im Dezember 2020 muss sich die Theatergruppe von einem weiteren langjährigen Mitglied verabschieden. Christine Trimmel hat seit 1996 in insgesamt 11 Stücken großartige Charaktere verkörpert und viele Menschen zum Lachen gebracht.

2021 feiert unsere Pfarre St. Johannes Kapistran ihren 50. Geburtstag.